Selbstmord

Selbstmord (Suicidium)

Folgende Erläuterungen - Statistiken zum Thema Selbstmord sind teilweise nicht mehr aktuell oder veraltet, und nicht mehr anwendbar, aber teilweise sehr lehrreich und trotzdem anwendbar.

Einleitung in das Thema Suizid - Selbstmord - Selbstmord Gedichte - Suizid - Arten von Menschen - Auslösefaktoren des Suizids

Selbstmord - Definition und Statistik

nach Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890

Selbstmord (Suicidium oder Suizid), die mit bewußter Absicht vollbrachte gewaltsame Zerstörung des eignen Lebens. Die Beweggründe zum Selbstmord (siehe auch Auslösefaktoren Selbstmord sind meist unsittlicher Art. Sehr viele Selbstmorde sind insofern schon lange vorbereitet, als das ganze Vorleben mit ihnen einen Abschluß findet.

Insbesondere sind es geschlechtliche Unsittlichkeit und Trunksucht, welche oft auf ein gewaltsames Lebensende hinsteuern. Doch spielen neben Leidenschaften und Lastern auch Kummer und Sorge über unverschuldetes Mißgeschick eine nicht geringe Rolle. Dazu kommt der Einfluß von körperlichen und Geisteskrankheiten, welche übermächtig auf den Menschen einwirken und ihn zur Selbsttötung führen. Da aber eine Feststellung der Zurechnungsfähigkeit des Selbstmörders regelmäßig nicht möglich ist, so erscheint auch eine Ahndung des Selbstmordes durch unehrliches Begräbnis und eine Bestrafung des Versuchs eines solchen als unstatthaft. Doch gilt letzterer Grundsatz in England und Nordamerika nicht, und in Ungarn wird auch die Beihilfe zum Selbstmord bestraft.

Eine scharfe statistische Gruppierung vorgekommener Fälle nach den Beweggründen zum Selbstmord ist geradezu unmöglich. Die hierüber vorliegenden Zahlen sind nur als mehr oder weniger fehlerhafte Näherungswerte zu betrachten. Aber auch eine statistische Erfassung der Gesamtheit aller Selbstmorde ist mit Schwierigkeiten verknüpft, weil natürlicher Tod, Ermordung und Verunglückung vom Selbstmord nicht immer zu unterscheiden sind. Immerhin aber bilden die wirklich verzeichneten Fälle des akuten Selbstmordes, da gerade bei diesen die Fehlerzahlverhältnismäßig klein ist, ein hinreichendes Material für wissenschaftliche Untersuchungen.

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Statistik

So konnte denn mit genügender Zuverlässigkeit festgestellt werden, daß im allgemeinen in Zeiten zunehmenden Wohlstandes die Neigung zum Selbstmord sich mindert, während eine Verschlechterung, insbesondere eine plötzliche und unerwartete Zerrüttung der Vermögensverhältnisse, eine Steigerung derselben hervorruft. Demgemäß weisen auch die Jahre 1870-73 eine kleinere, dagegen die Folgezeit bis 1879 und 1883 eine größere Zahl von Selbstmorden auf. Es wurden gezählt in 20 Ländern, welche den größern Teil von Europa ausmachen (nicht eingerechnet sind die Pyrenäische und die Balkanhalbinsel, Ungarn und Holland):

im Jahr im ganzen auf 1 Mill. Einw. - Statistik der Selbstmorde:

1874 20,306 Fälle 80 Fälle
1875 20,208 Fälle 80 Fälle
1876 21,638 Fälle 85 Fälle
1877 23,654 Fälle 92 Fälle
1878 24,910 Fälle 97 Fälle


Insbesondere kamen in folgenden Ländern Fälle vor a) im ganzen, b) auf eine Million Einwohner: Jahr England u. Wales Deutschland Frankreich Belgien Österreich Italien

______a___ b__ a__ b__ a___ b__ a__b__ a__ b__ a__ b
1871 1495 66 4903 135 4490 123 367 72 2040 99 836 31
1873 1518 65 5241 142 5525 152 377 72 2463 119 975 36
1875 1601 67 5420 143 5472 150 336 62 2741 129 922 33
1877 1699 69 7261 187 5922 160 470 87 3598 168 1139 41
1879 2035 80 7790 197 6496 175 553 100 3469 159 1225 43
1881 1955 75 8136 201 6741 180 550 98 3504 158 1343 47
1883 1962 73 9133 222 7267 190 599 105 3595 160 1456 51

Aktuellere Statistik-Daten zum Selbstmord


Vgl. Frau v. Staël, Sur le suicide (Stockh. 1812); Stäudlin, Geschichte der Vorstellungen und Lehren vom Selbstmord (Götting. 1824); Schopenhauer, über den Selbstmord, in dessen "Parerga und Paralipomena"; Emminghaus, Die Behandlung des Selbstmordes in der Lebensversicherung (Leipz. 1875); Öttingen, Über akuten und chronischen Selbstmord (Dorp. 1881) Richter, Die Zunahme des Selbstmordes in Sachsen (Leipz. 1882); Masaryk, Der Selbstmord als soziale Massenerscheinung der Zivilisation (Wien 1881); Schriften von Morselli (Mail. 1880), Legoyt (Par. 1881), Carrieri (Neap. 1883), Ferri (2. Aufl., Turin 1884), Garrisson (Par. 1885), Westcott (Lond. 1885).
Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890

Dieser Text darf nicht zur Selbstdiagnose verwendet werden, und ersetzt auf keinen Fall den Besuch beim Arzt, Psychologen oder Psychotherapeuten.



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