Persönlichkeitsstörung

Persönlichkeitsstörungen - Informationen

Psychische Erkrankungen: Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über diePersönlichkeitsstörung.

Persönlichkeitsstörung

Jeder Mensch hat bestimmte Eigenschaften und verhält sich in bestimmten Situationen auch in einer ganz bestimmten Art und Weise. Der eine ist eher zurückhaltend, meidet neue, unbekannte Situationen, geht nicht gerne aus, hat Hobbys, die man alleine betreiben kann und für die man nicht aus dem Haus gehen muss. Der andere liebt Partys, bleibt bis zum Morgengrauen, genießt es, im Mittelpunkt zu stehen, unterstreicht das noch mit auffälliger Kleidung und kann nicht lange alleine sein. Das ist weder ungewöhnlich noch krankhaft oder behandlungsbedürftig (und doch ist es möglich, daß es "überschwappt" / behandlungsbedürftig wird).

Anders sieht die Sache aus, wenn der Betroffene gerne anders handeln würde, dies aber nicht mehr kann, oder wenn andere Personen unter diesem Verhalten leiden. Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung sind nicht prinzipiell anders als andere Menschen. Ganz normale Eigenschaften sind bei ihnen lediglich so überspitzt und starr, dass daraus Leiden entsteht. Leiden bei ihnen oder bei ihnen nahestehenden Personen.

Das ist auch das Kriterium für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung: diese rigiden Persönlichkeitseigenschaften führen zu einem deutlichen Leiden für den Betroffenen oder für andere Personen, meist verbunden mit deutlichen Einbußen an beruflicher oder sozialer Leistungsfähigkeit. Außerdem muss das unpassende Verhalten über einen längeren Zeitraum auftreten und nicht nur auf kurze Phasen beschränkt sein, sowie in vielen verschiedenen Situationen gleichermaßen auftreten.

Unterteilung der Persönlichkeitsstörungen

Die einzelnen Persönlichkeitsstörungen werden folgendermaßen untergliedert, wobei sie sich teilweise überlappen:
à mit sonderbaren, exzentrischen Persönlichkeitszüge
· paranoide Persönlichkeitsstörung
· schizoide Persönlichkeitsstörung
· schizotypische Persönlichkeitsstörung
à mit dramatischen, emotionalen Persönlichkeitszüge
· dissoziale / antisoziale Persönlichkeitsstörung
· emotional instabile Persönlichkeitsstörung (Borderline)
· histrionische Persönlichkeitsstörung
. narzißtische Persönlichkeitsstörung
à mit ängstlichen, vermeidenden Persönlichkeitszüge
· anankastische Persönlichkeitsstörung
· ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung
· abhängige Persönlichkeitsstörung

Paranoide Persönlichkeitsstörung

Im Vordergrund stehen hier Misstrauen und eine völlig überzogene Empfindlichkeit, vor allem bei kritischen Äußerungen anderer. Diese Kritik muss nicht tatsächlich ausgesprochen werden, schon neutrale Aussagen oder kritische Blicke genügen. Ständige Beschuldigungen anderer, streitsüchtiges Verhalten und die angstvolle Erwartung, von anderen übervorteilt und geschädigt zu werden, erschweren die Aufrechterhaltung von Beziehungen.
Mehr: Paranoide Persönlichkeitsstörung

Schizoide Persönlichkeitsstörung

Menschen mit schizoider Persönlichkeitsstörung neigen zum Einzelgängertum. Sie haben keine bzw. nur wenige wirklich nahestehende Freunde und auch gar nicht das Bedürfnis danach. Damit zusammen hängt auch die Unfähigkeit, anderen gegenüber Gefühle, sowohl positive als auch negative, ausdrücken zu können, und eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber Lob oder Kritik. Diese Menschen sind kühl und distanziert gegenüber anderen und zeigen wenig Spaß an irgendwelchen Tätigkeiten.
Mehr: Schizoide Persönlichkeitsstörung

Schizotypische Persönlichkeitsstörung

Mehr: Schizotypische Persönlichkeitsstörung

Antisoziale / Dissoziale Persönlichkeitsstörung

Die dissoziale Persönlichkeitsstörung ist nur schwer zu behandeln, da das subjektive Leiden fehlt. Eigenschaften wie Verantwortungslosigkeit, Missachtung sozialer Normen und Verpflichtungen, niedrige Frustrationsgrenze und Gleichgültigkeit gegenüber den Gefühlen anderer stören den Betroffenen selbst nicht, dafür aber um so mehr die Menschen, mit denen er zu tun hat. Aggressionen, Rücksichtslosigkeit und hohe Risikobereitschaft führen zu Gewalttätigkeiten und Straftaten. Die Unfähigkeit, ein Schuldbewusstsein für die begangenen Taten zu entwickeln, hängt mit der Fähigkeit zusammen, das eigene Verhalten rational begründen zu können oder einfach anderen die Schuld dafür zu geben. Deshalb gelten Personen mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung auch als schlecht oder gar nicht therapierbar.
Mehr: Antisoziale Persönlichkeitsstörung

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Siehe auch: Borderline-Persönlichkeitsstörung

Emotional instabile Persönlichkeitsstörung

Impulsives Handeln, ohne die Folgen zu berücksichtigen, und eine instabile, häufig wechselnde Stimmungslage sind hier die Hauptkriterien. Diese seelische Störung kann noch einmal unterteilt werden in den impulsiven Typ, bei dem vor allem mangelnde Impulskontrolle und emotionale Instabilität sowie aggressives Verhalten im Vordergrund stehen, und den Borderline-Typ, bei dem Störungen des Selbstbildes und häufige emotionale Krisen durch chaotische Beziehungen vorherrschen. Dies gilt für die Einteilung des ICD 10. Im DSM IV ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung gleichberechtigt mit anderen Persönlichkeitsstörungen aufgeführt. Siehe auch: Borderline

Histrionische Persönlichkeitsstörung

Menschen mit histrionischer Persönlichkeitsstörung wollen ständig im Mittelpunkt stehen. Sie suchen ununterbrochen Aufmerksamkeit und Bewunderung. Um dies zu erreichen, legen Sie ein übermäßig theatralisches Verhalten an den Tag, kleiden und benehmen sich betont verführerisch. Ihr Verhalten und ihre Überzeugung kann dabei sehr schnell wechseln, je nachdem, was dem Gegenüber gerade am meisten imponiert. Sie neigen dazu, alles zu dramatisieren und ihre Gefühle richtig auszuleben.
Mehr: Histrionische Persönlichkeitsstörung

Narzißtische Persönlichkeitsstörung

Mehr: Narzißtische Persönlichkeitsstörung

Anankastische Persönlichkeitsstörung

(DSM IV: zwanghafte Persönlichkeitsstörung) Bei dieser Persönlichkeitsstörung wird der ganz normale Tagesablauf durch das ständige Bedürfnis, selbst Kleinigkeiten perfekt zu erledigen und nichts zu übersehen, durch den Zwang, alle eventuell auftretenden Gefahren abzuwenden und durch eine zeitintensive Beschäftigung mit detaillierten Listen und Plänen behindert. Für Vergnügen und Partnerschaft bleibt keine Zeit mehr. Trotzdem bestehende Beziehungen werden dadurch belastet, dass auch die Partner das starre System von Regeln und Erledigungen beachten müssen, sofern der Betroffene überhaupt irgendwelche Arbeiten delegieren kann. Er macht sie lieber selbst, damit auch alles seine Ordnung hat.
Mehr: Anankastische Persönlichkeitsstörung

Ängstliche / vermeidende Persönlichkeitsstörung

(DSM IV: selbstunsichere Persönlichkeitsstörung) Situationen, in denen man mit anderen Personen zu tun hat oder gar beurteilt wird, werden aus Angst vor Ablehnung und Kritik nach Möglichkeit vollständig gemieden, auch wenn Nachteile daraus entstehen. Die feste Überzeugung unbeholfen, unattraktiv und generell weniger wert als andere zu sein, macht den unbelasteten Umgang mit anderen Menschen schwierig oder sogar unmöglich. Dadurch werden entsprechende Situationen immer mehr eingeschränkt oder ganz gemieden, was zu enormen Schwierigkeiten am Arbeitsplatz führen kann.
Mehr: Ängstlich / vermeidende Persönlichkeitsstörung

Abhängige / dependente Persönlichkeitsstörung

Die Abhängigkeit von anderen Personen ist so ausgeprägt, dass der Betroffene kaum noch eigene Entscheidungen treffen kann und auch bei alltäglichen Kleinigkeiten ständig irgendjemanden um Rat oder Hilfe bittet. Die Angst, vom Partner verlassen zu werden, führt zur Missachtung der eigenen Bedürfnisse und einem eifrigen Bemühen, die Wünsche anderer zu erfüllen. Mangelndes Selbstvertrauen und Gefühle der Hilflosigkeit lassen verschiedenste Ängste aufkommen, so dass das Alleinsein nach Möglichkeit vermieden wird.
Mehr: Abhängige Persönlichkeitsstörung

Komorbidität

Bei Menschen mit Persönlichkeitsstörungen kommen gehäuft weitere Störungen hinzu: vor allem Angststörungen (siehe auch Angststörungen), Depressionen, Alkohol- und Substanzmissbrauch, körperliche Beschwerden. Oft wird aus diesen Gründen ein Therapeut aufgesucht und das Vorhandensein einer Persönlichkeitsstörung erst später erkannt.

Statistiken

Da der Übergang zwischen gesunden Persönlichkeitsmerkmalen und Persönlichkeitsstörungen fließend ist und sich auch die einzelnen Persönlichkeitsstörungen voneinander oft nur in der Ausprägung einzelner Kriterien unterscheiden, ist es schwer, zuverlässige Zahlen zu finden. Ein gewissenhafter, sorgfältig arbeitender Buchhalter muss noch lange keine zwanghafte Persönlichkeitsstörung haben. Wer sprunghaft und spontan ist, hat nicht automatisch auch eine Borderline-Persönlichkeitsstörung. Deshalb ist es schwer, eine (willkürlich gezogene) Grenze zwischen Gesundheit und Störung zu ziehen. Es wird eine Prävalenz für Persönlichkeitsstörungen von ca. 10% in der Allgemeinbevölkerung angenommen. Für die einzelnen Persönlichkeitsstörungen beträgt die Häufigkeit ca. 1%, wobei die Zahlen zwischen 0,5 und 2,5% variieren. Als häufigste Störungen werden dabei meist die abhängige und die anankastische Persönlichkeitsstörung genannt. Persönlichkeitsstörungen Statistiken

Forschungsartikel

Armee fehldiagnostiziert Hunderte mit Persönlichkeitsstörungen statt Posttraumatische Belastungsstörung.

Ursachen

Als Ursache für das Entstehen einer Persönlichkeitsstörung wird eine Wechselwirkung aus Anlage- und Umweltfaktoren angenommen. Ein bestimmtes angeborenes Temperament kann in der einen sozialen Umgebung vorteilhaft sein, während es in einer anderen Umgebung eher Probleme bereitet. In einer Familie, die im öffentlichen Licht steht, wird ein schüchternes, zurückhaltendes Kind eher negative Erfahrungen sammeln. Mangelnde Rückzugsmöglichkeiten, hohe Erwartungen der Eltern und Kritik ziehen zusätzliche negative Lernerfahrungen mit sich. Die Vermeidung von öffentlichen Situationen und damit auch von Kritik führt zur momentanen Entlastung, wodurch ein solches Vermeidungsverhalten verstärkt wird und gegenteilige positive Lernerfahrungen fehlen.
Ein temperamentvolles Mädchen wird in einer kleinen Zweizimmerwohnung in der Großstadt negativ auffallen, da es seinen Bewegungsdrang nicht ausleben kann. Das gleiche Kind würde aber auf einem Bauernhof inmitten von lauter lebhaften Brüdern für seine Eigenschaften eher bewundert werden und somit positive Bestätigung finden.
Bei der dissozialen Persönlichkeitsstörung wird zum Beispiel angenommen, dass es einen genetischen Faktor gibt, da diese Störung gehäuft vorkommt, wenn der leibliche Vater kriminell ist (nicht aber, wenn der Adoptivvater kriminell ist). Angeborene, als negativ eingeschätzte Eigenschaften wie Aggressivität und Impulsivität werden durch eine problematische Umwelt mit Arbeitslosigkeit, Trennung der Eltern, Armut, inkonsistentem Erziehungsstil, zu durchlässigen Grenzen und mangelnder Aufsicht verstärkt (Risikofaktoren; zu unterteilen in prädisponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren).

Andererseits gibt es auch sogenannte Schutzfaktoren wie positive Beziehungen zu einem Elternteil oder zu anderen Verwandten, durchgehende Betreuungsmöglichkeiten, ein unterstützendes soziales Netzwerk, konsequenter und liebevoller Erziehungsstil. Bei Vorhandensein können sie die Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung verhindern bzw. die Problematik abschwächen. Ursachen

Verlauf

Auch zum Verlauf gibt es nur wenige Studien. Im Allgemeinen wird von einer Besserung der Symptomatik in höherem Alter ausgegangen. In Phasen größerer psychischer Belastung finden sich gehäuft problematische Verhaltensweisen. Während einer Therapie kann ein solches Problemverhalten sowie die Auslöser dazu erkannt und bessere Bewältigungsmöglichkeiten gefunden werden. Folgeprobleme wie Arbeitslosigkeit, Armut, Beziehungsabbrüche und Suchtverhalten kann somit verhindert oder wenigstens abgeschwächt werden.



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(c) by Dipl.-Psych. Christian Hilscher (2006)


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