Epilepsie

Epilepsie - Symptome, Nebenwirkungen

Veraltete Beschreibung zu: Epilepsie. Folgende Erläuterungen zur Epilepsie sind teilweise nicht mehr aktuell oder veraltet, und vielleicht nicht mehr anwendbar, aber teilweise sehr lehrreich (und trotzdem anwendbar).

Epilepsie - Definition, Symptome, Erläuterungen

Mehr zur Epilepsie, Behandlung Epilepsie

Epilepsie Auch andre Störungen treten bei Epileptischen zuweilen als Ersatz (technisch Äquivalent) für einen regulären Anfall ein, wie plötzliche Geistesabwesenheit mit Grimassenschneiden, Verdrehen des Kopfes und der Glieder, Stottern oder dieselbe Bewußtseinsstörung mit traumhaften, impulsiven Handlungen, wie plötzlichem Ergreifen irgend welcher Gegenstände, Fortlaufen unter Wegnahme derselben etc., wodurch die Kranken oft des Diebstahls verdächtig werden (sogen. Kleptomanie).

In andern Fällen tritt plötzlicher Schlaf oder während der Nacht plötzliches Aufschrecken und Nachtwandeln ein. Die gesunden Pausen, welche zwischen den einzelnen epileptischen Anfällen liegen, dauern bei manchen Kranken mehrere Jahre, bei andern wochen- und monatelang, während wieder andre Kranke fast täglich einen oder selbst mehrere Anfälle zu erleiden haben. Ein ganz regelmäßiger Cyklus der Aufeinanderfolge der Anfälle kommt niemals vor. Die Anfälle treten bei manchen Individuen während des Tags, bei andern während der Nacht ein. Die nächtliche Epilepsie gilt für besonders bösartig und hartnäckig.

Die Epilepsie ist nur in einer Minderzahl von Fällen auf die Anfälle (status epilepticus) beschränkt, es treten vielmehr in etwa 62 Proz. aller Fälle Störungen in dem gesamten Geistesleben ein, welche man als epileptisches Irresein zusammenfaßt. Hierin gehören zunächst Geistesstörungen, welche den eigentlichen Anfällen kurz vorausgehen oder ihnen unmittelbar folgen. Sie sind oft durch Angst, durch Verfolgungsideen, Delirien ausgezeichnet; die Kranken werden nicht selten zu Mord, Selbstmord, Diebstahl oder Brandstiftungen getrieben, und da alle diese Handlungen bei Mangel des Bewußtseins ausgeführt werden, so bieten sich bei gerichtlichen Verhandlungen oft außerordentliche Schwierigkeiten dar, ob man es mit einem Verbrecher oder einem Irren zu thun hat.


Später aber entwickeln sich dauernde Geisteskrankheiten, die in Form von Dämmerzuständen mit Angst (petit mal nach Falret) oder tieferer Bewußtseinsstörung mit entsetzlichen Visionen, Verfolgungswahn und Tobsucht (grand mal nach Falret) auftreten. Nicht selten sind die Delirien religiösen Inhalts, die Kranken halten sich für Gott oder Christus; dann folgt meist eine tiefe geistige Ermattung, welche in eine Periode geistiger Klarheit übergeht. In diesem Stadium der Epilepsie müssen die Kranken notwendigerweise in Irrenanstalten oder gleichwertigen, unter ärztlicher Leitung stehenden Spitälern untergebracht werden; jedoch ist es ungemein schwer zu beurteilen, wie lange man die Kranken darin einschließen soll, da mitunter freie Pausen von jahrelanger Dauer eintreten, auf welche dann plötzlich ein Anfall mit impulsiven Trieben zu Mord oder Brandstiftung folgen kann.

Wenn man solche Kranke nicht zu dauernder Einzelhaft verurteilen will, wird man die Gesellschaft vor einzelnen Unglücksfällen, wie sie hin und wieder geschehen, nicht wohl bewahren können. Aber abgesehen von der großen Zahl der Epileptiker, welche im Irrenhaus untergebracht werden müssen, wird bei fast allen Kranken nach und nach der ganze geistige und körperliche Habitus geändert. Schärfe des Urteils, Gedächtnis und Einbildungskraft nehmen ab; die rohern Triebe treten mehr hervor und treiben den Kranken nicht selten zu gewaltsamen und verbrecherischen Handlungen. Oft ziehen sie sich scheu vor den Menschen zurück, werden launenhaft, quälen ihre Umgebung und geraten bei unbedeutenden Veranlassungen in maßlosen Zorn. Auch das äußere Aussehen wird bei langem Bestand der Epilepsie in der Art geändert, daß die Gesichtszüge grob, der Blick unsicher und nichtssagend werden.
Meyers Konversations-Lexikon, 3. Auflage von 1878

Dieser Text darf nicht zur Selbstdiagnose oder Behandlung verwendet werden, und ersetzt auf keinen Fall den Besuch beim Arzt, Psychologen oder Psychotherapeuten.



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