Delirium

Delirium - Begriffsklärung

Veraltete Definition zu: Delirium. Folgende Erläuterungen zum Delirium sind teilweise nicht mehr aktuell oder veraltet, und vielleicht nicht mehr anwendbar, aber teilweise sehr lehrreich (und trotzdem aufschlußreich).

Delirium - Definition, Symptome, Erläuterungen

Neuere Einordnung nach ICD 10



Delirium Delirium (lat.), Irresein, Phantasieren, Irrereden, eine Erscheinung, welche bei krankhaften Zuständen sehr verschiedener Art vorkommt und darin besteht, daß die Kranken infolge einer Gehirnstörung zu Reden oder Handlungen veranlaßt werden, welche mit den äußern Verhältnissen nicht im Einklang stehen.

Das Irrereden im weitern Sinn kommt bei Geistesstörungen sehr häufig vor. Gewöhnlich aber gebraucht man den Ausdruck Delirium oder Delirieren nur im engern Sinn für das Irresein bei Krankheiten, mit Ausschluß der Geisteskrankheiten. Am häufigsten wird das Delirium beobachtet bei schweren fieberhaften Krankheiten, namentlich den sogenannten Infektionskrankheiten (z. B. bei Typhus, Blattern, Scharlach, Masern), aber auch bei den sogen. entzündlichen Fiebern, z. B. bei Hirnhautentzündung, Lungenentzündung. Nach heftigen Verwundungen, wenn sich Wundfieber einstellt, kommt das Wundfieberdelirium (Delirium traumaticum) vor. Irrereden ist ferner eine häufige Erscheinung bei akuten Vergiftungen mit narkotischen Giften und anästhetischen Mitteln (Morphium, Belladonna, Chloroform), siehe auch Delirium tremens, auch bei den eigentlichen Dyskrasien oder den Blutentmischungskrankheiten (Zurückhaltung der Harn- und Gallenbestandteile im Blut). Seltener wird Irrereden bei fieberlosen Krankheiten, wie bei Hysterie und Epilepsie (siehe unter Epilepsie), und nach großen Blutverlusten und dadurch bedingter Gehirnanämie beobachtet.

Das Delirium ist immer ein Beweis dafür, daß das Gehirn in seinen Verrichtungen gestört ist, und die Ursache dieser Störung liegt teils in einem übermäßigen oder abnorm geringen Zufluß von Blut zum Gehirn, teils darin, daß das im Gehirn zirkulierende Blut durch fremdartige, giftähnlich wirkende Stoffe verunreinigt ist.

In Beziehung auf die Heftigkeit und die Art der Äußerung ist das Delirium sehr verschieden. Zuweilen ist es mehr ein stilles, sanftes Irrereden, die Kranken murmeln nur so vor sich hin, zupfen an der Bettdecke (Delirium blandum, tranquillum, mussitans, mite), wie dies vorzüglich in den höhern Stadien der nervösen Fieber, wenn bereits eine größere Schwäche eingetreten ist, vorkommt; in andern Fällen herrschen wilde Delirien (Delirium furibundum, furiosum) vor, wobei die Kranken heftig reden, schreien, fort wollen, aus dem Bett springen oder wenigstens große Unruhe zeigen, fortwährend mit den Armen gestikulieren etc.

Können die Kranken aus dem Irresein durch eine bestimmte Anrede, durch Rufen ihres Namens zu lichten Augenblicken erweckt werden, wie dies öfters beim Typhus beobachtet wird, so nennt man die Delirien typhomanische. Das Delirium, welches bei den oben erwähnten Krampfzuständen zeitweilig sich einstellt (Delirium spasticum, nervosum, periodicum), hat in Bezug auf Gefahr eine sehr geringe Bedeutung, während dagegen namentlich die erste Form des Delirium eine sehr schwere Erkrankung bezeichnet.

Da das Delirium nicht eine Krankheit für sich, sondern nur ein Symptom und zwar sehr verschiedener Krankheiten ist, so kann es selbstverständlich nicht Gegenstand einer besondern Behandlung sein. In den meisten Fällen ist überhaupt das Delirium keiner Behandlung zugänglich. Immerhin aber ist es in den Fällen, wo das Delirium im Verlauf einer fieberhaften Krankheit vorkommt, ganz zweckmäßig, wenn man kalte Umschläge oder einen Eisbeutel auf den Kopf legt, Senfteige an den Waden appliziert und beruhigende Mittel gibt, sofern nicht die Grundkrankheit, z. B. Typhus, derartige Eingriffe widerraten erscheinen läßt.
Meyers Konversations-Lexikon, 3. Auflage von 1878

Dieser Text darf nicht zur Selbstdiagnose verwendet werden, und ersetzt auf keinen Fall den Besuch beim Arzt, Psychologen oder Psychotherapeuten.



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