Delirium tremensDelirium tremens - BegriffsklärungVeraltete Definition zu: Delirium tremens. Folgende Erläuterungen zum Delirium tremens sind teilweise nicht mehr aktuell oder veraltet, und vielleicht nicht mehr anwendbar, aber teilweise sehr lehrreich (und trotzdem anwendbar).Delirium tremens - Definition, Symptome, ErläuterungenDelirium tremens Eine besondere Art des Delirium ist das Delirium tremens (lat., Säuferwahnsinn, Mania potatorum), welches das wesentliche Symptom einer selbständigen, durch Alkoholmißbrauch entstehenden Gehirnkrankheit ausmacht. Es äußert sich teils in Sinnestäuschungen, teils in stillen oder wilden Delirien, wobei gewöhnlich ein starkes Zittern der Glieder und der Zunge vorhanden ist. Die Kranken glauben Mäuse und andre Tiere zu sehen und suchen diese zu erhaschen oder sie zu vertreiben, sie wischen deshalb beständig auf ihrer Haut oder der Bettdecke, um die Tiere, Spukgestalten, Würmer u. dgl. zu entfernen, welche namentlich während der Dunkelheit in Masse auf sie losstürmen, nach ihnen schnappen und sie in jeder Art ängstigen.Zuweilen sind die Delirien wahnsinnartig, die Kranken glauben sich von Feinden umgeben, schreien und toben, schlagen um sich und wollen entfliehen, sich aus dem Fenster stürzen. Andre Kranke sind dagegen stets heiter, lachen und schwatzen beständig. Der Gesichtsausdruck ist bald zornig gereizt, bald ruhig. Die Delirien machen zeitweise Pausen und kehren dann um so heftiger wieder. Die Kranken verlangen fortwährend nach Getränken, besonders geistigen, genießen aber sonst gar nichts. Eine Haupterscheinung dabei ist die vollkommene Schlaflosigkeit. Die Haut schwitzt sehr, die Augenlider sind gerötet, Lippen und Zähne trocken, rußig belegt; der Stuhl ist verstopft, der Urin sparsam, der Puls gewöhnlich nicht beschleunigt. Allmählich werden die Kranken erschöpft, und es stellt sich dann zeitweise Schlaf ein. Zuweilen tritt jedoch auch der Tod ein, nachdem heftiges Toben vorausgegangen und die Kranken zusehends verfallen sind. Als Nachkrankheiten bleiben manchmal Geistesstörungen zurück. Der Ausbruch der Krankheit wird entweder durch starke Exzesse im Branntweintrinken oder durch plötzliche Entziehung desselben bei Gewohnheitstrinkern hervorgerufen; oft wird er durch andre akute Leiden, wie Lungenentzündung, Knochenbrüche, Operationen etc., begünstigt. Am häufigsten kommt das Delirium im Mannesalter vom 30. bis 50. Lebensjahr vor. Die Dauer desselben ist meist kurz, auf einige Tage beschränkt, selten zieht es sich wochenlang hinaus; jedoch treten später leicht neue Anfälle des Delirium ein. Das Delirium tremens ist eine schwere Krankheit, die in 15 Proz. der Fälle mit dem Tod endigt; als anatomische Grundlage der Störung ergibt sich meist eine chronische Entzündung der Hirnhäute, Blutüberfüllung und Ödem des Gehirns. Die Behandlung besteht zunächst darin, daß man Gewohnheitstrinkern nicht plötzlich den Alkohol entzieht und ihnen kräftige Nahrung und Wein verordnet. Als sicherste Mittel gegen das Delirium galten bisher das Opium und das Morphium, welche man in großen schlafmachenden Dosen reichte. Seit einigen Jahren ist dazu noch das Chloralhydrat gekommen, welches wegen seiner prompten schlafmachenden Wirkung namentlich in solchen Fällen unschätzbar ist, wo das Delirium durch einen Knochenbruch oder andre schwere Verletzungen zum Ausbruch gekommen ist und der Kranke sich also nicht bewegen darf. Bei drohender Herzschwäche dagegen ist das Chloral durchaus zu vermeiden! Wegen der Gefahr für andre Kranke sind Deliranten zu bewachen und in besondere Zimmer zu legen. Kann man den Kranken herumgehen lassen, ohne befürchten zu müssen, daß er sich Schaden thut, so ist dies deshalb gut, weil derselbe dadurch sich am besten so ermüdet, daß ihn das Bedürfnis des Schlafs überkommt. Man hat deshalb auch in manchen Fällen an Delirium Erkrankte von zwei kräftigen Männern fassen und so lange umherführen lassen, bis die Ermüdung aufs höchste gesteigert war. Nur völlige Unterlassung des Mißbrauchs geistiger Getränke, namentlich des Branntweins, schützt vor Wiederholung der Anfälle; leider fallen die Kranken aber meist früher oder später in ihre alte Gewohnheit des Trinkens zurück. Meyers Konversations-Lexikon, 3. Auflage von 1878 Dieser Text darf nicht zur Selbstdiagnose verwendet werden, und ersetzt auf keinen Fall den Besuch beim Arzt, Psychologen oder Psychotherapeuten. |
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