Was tun gegen Mobbing

Informationen über Mobbing

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Mobbing, was ist das?

Es handelt sich hier nicht um einen ganz normalen Streit zwischen Arbeitskollegen, Differenzen mit dem Chef oder Diskussionen am Arbeitsplatz. Mobbing ist ein andauerndes, systematisches Verhalten, das beim Opfer zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen und sogar zu Selbstmord führen kann. Meist sind mehrere Personen beteiligt, die sich zusammenschließen und ein einzelnes Opfer mobben, das sich nicht effektiv zu Wehr setzen kann.
Zu diesem Mobbing-Verhalten gehören fortgesetzte Handlungsweisen (keine Einzelvorkommnisse) wie Hänseln und Einschüchtern, Schikanieren, Ausgrenzen, unberechtigte Kritik, Beleidigen, Ignorieren, Lächerlichmachen, Übergabe von niedrigen Arbeiten (Dienstbotengänge). In England wird anstelle von Mobbing das Wort Bullying benutzt.
Bullying

Merkmale von Mobbing-Verhalten:

· Mobbing geschieht am Arbeitsplatz oder in der Schule. Das Opfer kann also nicht wie im privaten Bereich einfach die "Zusammenarbeit" beenden, zumindest nicht ohne weitreichendere Konsequenzen (Kündigung und Arbeitslosigkeit, Schulabbruch)
· Konstellation: Opfer und Täter. Meist suchen sich mehrere Täter ein Opfer aus.
· das Verhalten dauert länger an (mindestens 6 Monate) und findet häufiger als ein Mal (mindestens 1x pro Woche). Dieses Merkmal ist wichtig, um Mobbing gerichtlich von Streitereien am Arbeitsplatz unterscheiden zu können. Ein einzelner Vorfall ist per Definition noch kein Mobbing.
· das Verhalten wird vom Opfer subjektiv als belastend empfunden

Typische Mobbing-Handlungen:

· ungerechtfertigte Kritik und Beschimpfungen
· Ignorieren
· üble Nachrede, Beleidigungen
· zu leichte oder zu schwere Arbeiten übertragen
· bis hin zu Androhung und Ausführung von körperlicher Gewalt

Am häufigsten sind dabei Gerüchte und Lügen (61,8%), gefolgt von falsch bewerteten Arbeitsleistungen (57,2%), Hänseleien und Sticheleien (55,9%) sowie Verweigerung wichtiger Informationen (51,9%). Meist kommen aber mehrere gleichzeitig vor. Laut einer telefonischen Befragung wurden 2001 aktuell 2,7% der Erwerbstätigen gemobbt. Die Zahl der Personen, die auch in der Vergangenheit gemobbt wurden (also zur Zeit nicht mehr), beträgt 11,3% der Erwerbstätigen. Damit war jeder 9. mindestens einmal während seiner Erwerbstätigkeit von Mobbing betroffen. Im Verlauf des Jahres 2000 wurden 5,5% der Erwerbstätigen gemobbt. Die durchschnittliche Dauer betrug dabei 6,7 Monate (Durchschnitt aller abgeschlossenen Fälle: 16,4 Monate). Die Zahlen (und alle folgenden) stammen dabei aus dem Mobbing-Report 2002 (eine Repräsentations-Studie für die Bundesrepublik Deutschland) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.
Mobbing Statistiken

Gründe und Auslöser für Mobbing:

Verschiedenste Gründe führen zu diesem Problemverhalten. Der Druck an der Arbeitsstelle wächst: Arbeiten unter ständigem Druck und Anspannung führt zu einem ungünstigen Arbeitsklima, in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit lassen sich Angestellte aus Angst vor Entlassung einiges gefallen, Arbeiten müssen unter Zeitdruck und unter allgegenwärtigen Sparmassnahmen erledigt werden, Konkurrenz und Verteidigung des eigenen Arbeitsplatzes führen zu unfairen Maßnahmen.
In 65,3% der Fälle herrschte ein schlechtes Arbeitsklima, in 55,1% Stress und Hektik, bei 60,9% fehlte die Gesprächsbereitschaft des Arbeitgebers.
Von den Opfern wurden auch eigene Handlungen zu Beginn gesehen: 60,1% gaben an, dass sie zu Beginn Kritik geübt hätten, 58,9% wurden (aus eigener Sicht) als Konkurrenz empfunden und 39,7% denken, dass sie den Neid anderer auf sich gezogen haben. Trotzdem handelt es sich hier nicht um "selbstverschuldete" Auslöser, was vor allem die Tatsache zeigt, dass Mobbing keinen Einzelfall darstellt. 61% gaben an, dass es vor ihnen auch schon Mobbingfälle in diesem Betrieb gab und 60,8%, dass gleichzeitig mehrere Personen gemobbt wurden.

Phasen des Mobbings:

Mobbing verläuft in verschiedenen Phasen. Am Anfang steht ein ganz "normaler" Konflikt in der Arbeitswelt. Dieser wird aber nicht bearbeitet und weitet sich dadurch aus. Es bilden sich Täter und Opfer heraus, der Konflikt tritt in den Hintergrund, das problematische Verhalten verfestigt sich und hat Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit des Mobbing-Opfers. Verschiedene Symptome führen dazu, dass die Arbeitsleistung des Opfers geringer wird, sich Fehlzeiten häufen und ein Arzt oder Psychologe aufgesucht wird. Am Ende steht oft der Rückzug aus dem Erwerbsleben. Mobbing Phasen

Hilfe und Prävention bei Mobbing:

Verschiedene Strategien werden vom Opfer versucht: 74,3% versuchten eine Aussprache mit dem Täter / den Tätern zu erreichen, 53,3% versuchten sich verbal zu wehren, 46% fragten den / die Täter nach den Gründen für sein / ihr Verhalten, 44,4% forderten den / die Täter auf, ihr Verhalten zu unterlassen.
Auch die Hilfe von anderen wurde gesucht: 68,7% baten den Betriebsrat, 62,3% nicht mobbende Kollegen und 46% den Vorgesetzten um Hilfe.
Der Arbeitgeber hat die gesetzliche Verpflichtung, etwas gegen Mobbing in seinem Betrieb zu tun. Die enorme Anzahl von Mobbing-Beratungsstellen zeigt die Dringlichkeit der Problematik. Dabei sind aber Ratschläge, sofort zu kündigen, nicht angebracht, da Personen, die in einem Betrieb gemobbt wurden, auch überdurchschnittlich oft im nächsten Betrieb diese Rolle einnehmen. Für das Selbstbewusstsein des Opfers ist es wichtig, in dieser Auseinandersetzung Recht zu bekommen und gegebenenfalls gerichtliche Schritte zu unternehmen.

Opfer-/Täter-Konstellation:

Die Täter können gleichberechtigte Kollegen oder Schulkameraden (gleiche Hierarchie-Ebene) sein, es sind aber auch Arbeitgeber-Arbeitnehmer- bzw. Lehrer-Schüler-Konstellationen möglich (seltener werden Arbeitgeber von Untergebenen gemobbt). Im Mobbing-Report wird folgende Täter-Verteilung genannt: nur Vorgesetzter 38,2%; nur ein einzelner Kollege 22,3%; mehrere Kollegen 20,1%; Vorgesetzter und Kollege gemeinsam 12,8%.

Opfermerkmale:

Obwohl jeder Opfer werden kann, häufen sich doch einige Merkmale. Besonders häufig sind betroffen: · Personen, die von jedem gemocht werden wollen und einen geringen Selbstwert haben
· Perfektionisten
· Unfähigkeit, Konflikte direkt offen anzusprechen
· Personen, die Konflikte und Probleme still in sich hinein fressen
· Personen, die aus Scham schweigen, unsicher, ängstlich und sensibel sind.

Es sind auch mehr Frauen als Männer betroffen: 3,5% der Frauen gegenüber 2,0 % der Männer. Das höchste Risiko besteht bei Berufsfeldern im Sozialbereich: Sozialarbeiter, Erzieher und Sozialpädagogen. Danach kommen in der Häufigkeitverteilgung: im Verkauf beschäftigte Personen und Angestellte bei Banken und Versicherungen. Die Gefahr, ein Mobbing-Opfer zu werden, ist für Auszubildende und Arbeiterinnen am höchsten sowie im Alter unter 25 Jahren (mit enormen Konsequenzen für weiteren beruflichen Werdegang). Mobbing Opfer

Tätermerkmale:

Einige Statistiken belegen, dass es sich meist um mehrere Personen handelt, die sich gegen eine Einzelperson zusammentun. Mobbing geschieht danach auch meistens auf gleicher Ebene, also Kollegen gegen Kollege/Kollegin, wobei am häufigsten Männer von Männern und Frauen von Frauen angegriffen werden.

Folgen für das Opfer:

Psychische und körperliche Folgen für die Opfer sind weitreichend. Zuerst zeigen sich eher diffuse Störungen, die nicht unbedingt direkt auf die Situation am Arbeitsplatz zurückgeführt werden: Verspannungen, Rückenschmerzen, Kopfweh, Schlafstörungen, Unlust, Magen-Darmprobleme, erhöhte Infektanfälligkeit.
Diese Beschwerden klingen nicht ab, sondern bleiben bestehen und verschärfen sich. Sie werden chronisch und können nach einem halben Jahr zu den Posttraumatischen Belastungssymptomen gezählt werden. Außerdem führen sie zu Depressionen, Alkohol- und Drogenmissbrauch und sogar zu Selbstmordversuchen und vollzogenem Selbstmord.

Opfer berichteten von Auswirkungen auf das Privatleben: 23,7% nannten dabei Unausgeglichenheit, 21,6% soziale Isolation, 19,7% Streit in der Familie, 15,4% finanzielle Probleme, 13,9% Kraft- und Lustlosigkeit. Als Auswirkung auf das Arbeitsleben wurden genannt: Demotivation von 71,9%, Misstrauen von 67,9%, Nervosität und Verunsicherung von 60%, Rückzug von 58,9% und Ohnmachtgefühle von 57,9%.
43,9% berichteten von Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit (20,1% länger als 6 Wochen), 30,8% von einem freiwilligen Arbeitsplatzwechsel im Betrieb, 22,5% von eigener Kündigung und 14,8% von Kündigung durch den Arbeitgeber 14,8%.

Mobbing Literatur

Mobbing-Literatur: Leymann, Mobbing Ratgeber, Bossing.

Mobbing in der Schule

Mobbing in der Schule bezeichnet das gleiche Verhalten an einem anderen Platz. Einzelne Schüler leiden unter herabsetzenden, einschüchternden und isolierenden Handlungen anderer Schüler oder auch Lehrer. Da die Opfer sich hier aber noch in der Entwicklungsphase befinden, sind die Folgen noch verheerender.

Wenn es sich um Drangsalierungen von anderen Schülern handelt, sind die kritischen Zeiten vor allem die Pausen, die unterrichtsfreien Zeiträume und der Hin- und Rückweg von und zur Schule. Die Opfer trauen sich nicht mehr, die Klassenräume zu verlassen oder in unmittelbare Nähe anderer Schüler zu kommen. Sie ziehen sich zurück und bekommen morgens schon Bauchweh beim Gedanken an den Schultag.

Nur etwa jeder dritte Schüler, der unter Mobbing leidet, redet deswegen mit den Lehrern. Manchmal wissen Lehrer also einfach nicht Bescheid. Andererseits gibt es Lehrer, die das gar nicht hören wollen, weil sie nicht wissen, welche Gegenmaßnahmen sie ergreifen könnten. Sie behaupten einfach, dass es an ihrer Schule "so etwas" nicht gibt oder dass es sich nur um ganz normale Raufereien handelt, die in diesem Alter üblich sind. Nur jeder vierte Lehrer, der einen Verdacht hat, spricht den entsprechenden Schüler auch darauf an.

Dabei sind Gegenmaßnahmen bei Mobbing möglich:

· das Thema darf nicht tabuisiert werden, es muss zum Thema gemacht werden. Zwischen den Lehrern, aber auch zwischen Lehrern und Schülern. Offenes Sprechen darüber fördert auch die Hilfsbereitschaft unter den Schülern, da manche das Verhalten ihrer Mitschüler nicht richtig finden, sich aber nicht trauen, sich auf die Seite des Opfers stellen, weil sie eigene Beschimpfungen befürchten.
· die Opfer dürfen nicht aus Scham schweigen, sondern müssen offen zugeben, wie sie unter diesen Attacken leiden. Auch die Eltern müssen Bescheid darüber wissen.
· beide Seiten (Täter und Opfer) brauchen Freunde, die sie von dem bisher eingeschlagenen Weg abbringen.
· Lehrer müssen für die Problematik sensibilisiert werden. Eine Gestaltung des Schulhofes mit Ruhe- und Spielzonen, Möglichkeiten zur Bewegung und zum Rückzug helfen, die kritische Zeit der Pausen zu überbrücken. Auch vor Schulbeginn und nach Schulschluss muss eine Aufsichtsperson die Cliquenbildung beobachten.

Es gibt aber auch Lehrer, die selbst mobben. Einzelne Schüler werden von ihnen gehänselt und/oder benachteiligt. Abfällige Äußerungen, Spitznamen, ständige Hervorheben richten die Aufmerksamkeit der ganzen Klasse auf diesen Schüler.

Erste Anzeichen, dass ein Kind gemobbt wird, können sein:

· Schulunlust, Schulangst
· diffuse morgendliche Symptome wie Bauchschmerzen, Kopfweh und Übelkeit
· Schlafstörungen, Alpträume und verschiedenste Ängste
· fehlendes Geld (Zahlungen, um den anderen von seinen Taten abzubringen, Schutzgeld, Erpressung)
· beschädigte Schulsachen und Kleidung
· Rückzug, fehlende Freunde und Isolation

Grund für Mobbing kann manchmal die "Andersartigkeit" eines Schülers sein: seine Herkunft, Schichtzugehörigkeit, Kleidung, besondere Merkmale, zu schlechte oder zu gute Noten. Aber auch sensible und schüchterne Kinder, die sich nicht wehren können, werden gerne zu Opfern.

Es gibt auch einen Unterschied zwischen Mädchen als Täter und Jungen. Mädchen benutzen als "Waffe" eher Kritik an Kleidung und Aussehen, verbale Hänseleien, abfällige Blicke und Ausgrenzen aus der Clique. Jungen neigen eher zu Drohungen, Beschädigung von Schulmaterial und Kleidung, Erpressungen und körperlicher Gewalt.

Besonders im frühen Jugendalter bilden sich verschiedene Cliquen, erst noch getrennt nach Geschlecht. Diese sogenannten peer groups dienen der Identitätsbildung und der Abnabelung vom Elternhaus. Kinder und Jugendliche mit gleichen Interessen bilden Gruppen, die nach außen als Einheit dargestellt werden. Entweder man gehört dazu und hält sich an die Regeln oder man gehört halt nicht dazu und wird entsprechend ausgegrenzt. Innerhalb dieser Gruppen fühlen die Schüler sich stark und demonstrieren auch gerne diese Stärke nach außen, indem sie gemeinsam über andere spotten. Wer dabei besonders laut und besonders auffällig ist, wird von den anderen als Anführer akzeptiert und genießt uneingeschränkte Bewunderung. Das Auslachen von anderen dient also dem eigenen Prestigegewinn und sichert einen Platz an der Gruppenspitze auf Kosten anderer Schüler.

In Deutschland wird etwa jedes 10. Kind gemobbt, was eine Zahl von einer Million Schülern entspricht. Die Folgen für die weitere Entwicklung sind dabei enorm:

· erlebte Hilflosigkeit und immer wiederkehrende Opferrolle
· mangelndes Selbstvertrauen
· negatives Selbstbild
· Abbruch der Schulausbildung und entsprechende Konsequenzen für die berufliche Laufbahn
· psychische Krankheitsbilder wie Angststörungen, Depressionen, psychosomatische Störungen und posttraumatische Belastungsstörungen
· Suizidversuche und vollendeter Suizid



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(c) by Dipl.-Psych. Christian Hilscher (2006)


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