Psychotherapie

PTBS: Surf-Therapie

Autor: Dipl.Psych. Christian Hilscher, Copyright

Surf-Therapie bei Posttraumatischer Belastungsstörung

Für Veteranen, die an Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS - Post-traumatic Stress Disorder PTSD) leiden, kann eine neue Therapie Hilfe aus einer unerwarteten Richtung anbieten - Surfen.

Seit einigen Jahren machen Großbritannien und die Vereinigten Staaten Versuche mit einer neuen Form der Therapie für Veteranen, die unter Kampfstress leiden, unter der Verwendung einer Ressource, die keiner Nation entlang ihrer Küsten fehlt: die Brandung des Ozeans.

"Ozean-Therapie" oder Surf-Therapie, überrascht Langzeitsurfer hauptsächlich wegen des offiziellen Namens; die Idee, dass ein Ozean und ein Surfboard gut für den Körper und Verstand sein können, ist anderweitig nicht sehr neu. Aber kürzliche Studien haben versucht, zu quantifizieren, was im Wasser geschieht.

Der United Kingdom's National Health Service führt immer noch Versuche in Cornwall, wo die Wellen aus dem Atlantik hereinströmen, um festzustellen, ob "Surf-Therapie" die Unterstützung durch die Steuerzahler verdient. Die Idee verursachte Entrüstung in der Daily Mail, in der Skandale zum Geschäftsmodell gehören.

"Es ist wichtig, dass das NHS seine Gelder für Medizin- und Ausrüstung statt für Wasser-Sport verwendet", sagte eine Anwältin der 'britischen Steuerzahler', Fiona McEvoy der Daily Mail letztes Jahr. Die National Health verteidigte die Versuche, da sie billig seien - £ 250, oder ca. $ 400 pro Person - und zielte darauf ab, so Geld für Antidepressiva und andere Medikamententherapien zu sparen.

Aber das U.S. Marines Corps hat auch die "Ozean-Therapie" in ihr posttraumatisches Belastungsstörungs-Behandlungsprogramm einbezogen.

Bis vor kurzem, befehligte Lt. Col Greg Martin das so genannte Wounded Warrior Battalion West bei Camp Pendleton. "Alles, was ein Typ wirklich genießt", wird den Stress durch Kampfhandlungen mildern, sagt er, "aber es gibt nichts dem Surfen Vergleichbares, um den Verstand, den Körper und den Geist zu berühren, alles zur gleichen Zeit. Und das ist unser Ansatz im Marine Corps - wir haben einen "whole-Marine"-Fokus, es betrifft nicht nur die medizinische Seite."

Die gemeinnützige Jimmy Miller Memorial Foundation entwickelte das Programm der Ozean-Therapie, die die Marine verwendet; die Foundation sendet Therapeuten und Surflehrer nach Camp Pendleton alle zwei oder drei Wochen.

Ein Grund, warum es funktioniert, sagt Jim Miller, Vater von Jimmy und Gründungsmitglied, ist, dass Surfen einen Veteranen so sehr ermüden kann, das er schläft.

Miller erzählt eine Geschichte über einen Marine, der für eine Surfstunde mit einer Anzahl von Problemen einschließlich Schlaflosigkeit erschien. "Der Mann konnte keine Nacht mehr als drei oder vier Stunden schlafen und er bekam viele starke Medikamente", sagte Miller. "Aber nach seiner ersten Session im Wasser schlief er acht Stunden ohne Medikamente."

Carly Rogers, die Arbeitsmedizinerin, die das Programm für die Jimmy Miller Stiftung entwickelte, sagte, dass Surf-Stunden im Wasser und Gruppentherapie anschließend auf dem Sand dazu bestimmt sind, andere Teile des Lebens eines Patienten zu formen. "Durch Erreichen dieses Ziels [Surfen zu lernen] "sagt sie", in diesem dynamischen Umfeld, wo sie dem Ozean völlig ausgeliefert sind, lernen sie, autark in anderen Bereichen zu sein."

Ihr Programm basiert auf die Flow-Theorie des Psychologen Dr. Mihaly Csikszentmihalyi, welche sagt, dass eine Person lernen soll "in der Zone" zu sein - ein freudvoller, gezielter, unbefangener Zustand - um so lernen zu können, glücklich zu sein.

Eine Mikrobiologin in München, Ulrike Schmidt, die das Laboratorium im Max Planck Institut führt, ist nicht überrascht. Sie untersuchte die minütlich sich ändernde Physis durch posttraumatischen Stress verursacht, und sie sagt, dass es Sinn macht, dass Surfen hilft, die Chemie und Struktur des Gehirns eines Veteranen zu verändern.

"Wir wissen bereits, dass Körperbewegung fundamental gut für die Heilung ist", sagt sie. "Und es gibt Belege, dass Bewegung und physische Anstrengung die Stoffwechselprozesse im Gehirn fördern können."

Was aber nicht das ist, wie die Veteranen es selbst beschreiben. Für sie nimmt der Intensive Fokus und die anstrengende Arbeit im Wasser das aus ihren Gedanken, was sie quält und verfolgt.

"Im Kampf "erklärte ein L.A.-area Veteran mit dem Namen Louis Scott", schaust Du nach links und rechts und Du achtest immer auf Deinen Bruder. In den Wellen schaust Du immer nach links und nach rechts, und Du bist dort draußen mit Deinen Brüdern. Aber Du hast Spaß."
Quelle: United Kingdom’s National Health Service, August 2011
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