Psychopharmaka

Neuroleptika

Autor: Dipl.Psych. Christian Hilscher, Copyright

Einigen Nebenwirkungen der Neuroleptika auf der Spur

Experten sagen, dass etwa 14,4 Millionen US-Amerikaner Neuroleptika (Antipsychotika - mehr hier) nehmen. Diese Psychopharmaka (dazu hier mehr) werden normalerweise gegen bipolare Störung, Schizophrenie oder eine Anzahl von anderen Verhaltensstörungen verschrieben, und macht sie zu den am meisten verschriebenen Medikamenten in den USA.

Leider sind die meisten Neuroleptika trotz ihrer breiten Anwendung dafür bekannt, dass sie Stoffwechselnebenwirkungen wie Fettleibigkeit und Diabetes verursachen.

Natürlich bedeutet dies für die Patienten ein bedeutendes Dilemma, da sie wählen müssen zwischen: Verbesserung ihrer psychischen Verfassung und Schädigung ihrer physischen Gesundheit.

Ein neues Forschungspapier ist in der Zeitschrift Molecular Psychiatry erschienen, was die von den Neuroleptika ausgelösten biochemischen Änderungen erörtert.

Die Medikamente interferieren mit dem normalen Stoffwechsel durch die Aktivierung eines SMAD3 genannten Proteins. Das SMAD3 Protein ist wiederum ein wichtiger Bestandteil eines zellularen Prozesses der transforming growth factor beta (TGFbeta - deutsch: Transformierender Wachstumsfaktor) Signalkaskade genannt wird.

Die TGFbeta Signalkaskade reguliert viele biologische Prozesse, z.B. das Zellwachstum, Entzündungen und Insulin-Signale.

In der gegenwärtigen Studie, aktivieren alle Neuroleptika, die Stoffwechselnebenwirkungen verursachen, SMAD3, während Neuroleptika ohne diese Nebenwirkungen es nicht tun.

Und, die SMAD3 Aktivierung durch Neuroleptika war völlig unabhängig von ihren neurologischen Wirkungen, was die Möglichkeit erhöht, dass Neuroleptika entwickelt werden könnten, die nützliche therapeutische Wirkungen im Gehirn bewahren, aber die negativen Stoffwechselnebenwirkungen draussen lassen.

"Wir glauben nun, dass so viele neuroleptische Medikamente Fettleibigkeit und Diabetes hervorrufen, weil sie die TGFbeta Signalkaskade auslösen. Von allen Medikamenten, die wir getestet haben, verursachten nur die zwei Neuroleptika, die die Kaskade nicht aktivierten, keine Stoffwechselnebenwirkungen", sagte Fred Levine, M.D, Ph.D Senior-Autor der Studie.

Die TGFbeta Signalkaskade spielt auch eine wichtige Rolle in Stoffwechselkrankheiten bei Menschen, die keine Neuroleptika nehmen.

"Es ist bekannt, dass Menschen, die erhöhte TGFbeta-Level haben, für Diabetes anfälliger sind. So, wenn man eine dysregulierte TGFbeta Signalkaskade hat - ob durch Neuroleptika verursacht oder durch irgendeinen anderen Mechanismus - ist dies eindeutig eine sehr schlechte Sache", sagte Dr. Levine.


"Die Tatsache, dass Antipsychotika diese Kaskade aktivieren, sollte für die Pharmakonzerne sehr wichtig sein. Wir hoffen, dass diese neue Information zur Entwicklung von verbesserten Medikamenten / Psychopharmaka führt."
Quelle: Molecular Psychiatry, Februar 2012
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