Psychologie: Lesen

Warum lesen wir ?

Autor: Dipl.Psych. Christian Hilscher, Copyright

Lesen erfüllt Bedürfnis nach Zugehörigkeit

Wenn Sie jemanden fragen, warum er liest, ist die Antwort normalerweise um zu lernen oder als eine Flucht vor der Alltagsroutine des Lebens. Neue Forschung findet heraus, dass Lesen viel mehr bewirkt, als "lediglich" zu erziehen oder zu unterhalten.

Psychologe Dr. Shira Gabriel studierte, wie Lesen eine menschliche Verbindung fördert - wenn wir lesen, werden wir ein Teil der in der Schilderung beschriebenen Gemeinschaft, sogar wenn der Text in ein fiktionales Fantasieland eingebunden ist. Diese Verbindung scheint das zutiefst menschliche, und evolutionär entscheidende, Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu erfüllen.

Die Forscher begannen damit das Ausmaß von 140 Studenten zu studieren, nach dem sie ihre Bedürfnisse nach Verbindung/Zugehörigkeit decken, durch die Zuordnung nach Gruppen.

Einige lasen eine Passage aus dem Roman "Twilight", worin der Untote Edward seiner Freundin Bella beschreibt, wie es sich anfühlt, ein Vampir zu sein. Andere lasen eine Passage von "Harry Potter und der Stein der Weisen", in dem die Hogwarts Studenten in "Häuser" getrennt werden und Harry den Zaubertrank-Professor Severus Snape trifft.

Den Teilnehmern wurden 30 Minuten gegeben, um die Passage zu lesen, und sie wurden angewiesen, einfach nur für ihr eigenes Vergnügen zu lesen.

Zwei Methoden wurden dann verwendet, um die psychologische Angliederung der Teilnehmer an Vampire oder Zauberer abzuschätzen.

In der ersten wurden die Studenten angewiesen, so schnell und genau als möglich, "ich" Ausdrücke, (selbst, mein, mich) und "Zauberei" Wörter (Besenstiel, Zauberspruch, Zauberstab, Zaubertrank) zu kategorisieren, durch Drücken derselben Taste, wenn irgendeines jener Wörter auf dem Bildschirm aufblinkt; und sie sollten eine andere Taste drücken für "nicht ich"-Wörter (sie, ihres) und "Vampir"-Wörter (Blut, Reißzähne, gebissen, Untote).

Dann wurden die Paare ausgewechselt. Gabriel und ihr Forscherteam erwarteten, dass die Teilnehmer schneller antworteten, wenn "ich"-Wörter mit einer Gruppe verbunden wurden zu der "ich" gehörte, je nach welchem Buch sie lasen.

Danach verwalteten die Forscher das, was sie die Twilight/Harry Potter Narrative Collective Assimilation Scale nannten, die aus Fragen bestand, die die Identifizierung mit Zauberern oder Vampiren anzeigte.

Beispiele: "Denken Sie, dass Sie in der Lage wären, sich verschwinden und woanders wieder erscheinen zu lassen ?" und "Wie scharf sind Ihre Zähne?" Schließlich beurteilten kurze Fragebögen die Lebenszufriedenheit und Stimmung der Teilnehmer.

Die Ergebnisse des Versuchs waren, wie man erwarten konnte: Harry Potter Leser "wurden" Zauberer und die Twilight-Leser "wurden" Vampire. Und Personen, die gruppenorientierter im Leben waren, zeigten die größten Assimilationseffekte (Anpassungen).

Schließlich, zu diesen fiktionalen Gemeinschaften zu "gehören" lieferte dieselben Stimmungs- und Lebenszufriedenheit, die die Personen durch die Zugehörigkeit zu wirklichen Gruppen erhielten.

Laut den Forschern zeigt die Studie, dass Lesen nicht nur für Flucht oder Bildung geeignet ist, sondern auch hilft, einen tiefen psychologischen Bedarf zu erfüllen.
Quelle: BfArM, April 2011
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