Psychopharmaka

Leben oder Tod

Autor: Dipl.Psych. Christian Hilscher, Copyright

Leben-oder-Tod Entscheidungen in virtueller Welt

Ein neue, erste ihrer Art, Studie bringt Teilnehmer in eine dreidimensionale virtuelle Welt, um moralische Taten zu prüfen, die Entscheidungen über Leben und Tod beinhalten.

Die Forschungsteilnehmer wurden darum gebeten, sich vorzustellen, dass ein sich losgerissener Güterwagen in die Richtung von fünf Menschen, die ihm nicht ausweichen können, fährt. Ihnen wurde dann gesagt, dass sie die Macht hätten den geschlossenen Güterwagon auf eine andere Strecke umzuleiten, auf der sich nur eine Person aufhält und sterben würde.

Die Teilnehmer wurden gefragt, ob sie ein Leben opfern würden, um fünf Leben zu retten.

Die Studie ist in der Forschungszeitschrift Emotion herausgegeben worden.

"Was wir fanden, ist dass die Regel 'Du sollst nicht töten' durch Überlegungen des größeren Wohls abgelöst wird" sagte Carlos David Navarrete, Ph.D, Hauptforscher des Projekts.

Navarrete sagte, dieser Versuch ist eine neue Version des "Straßenbahnproblems", ein moralisches Dilemma, über das Philosophen seit Jahrzehnten sinnieren. Aber dies ist das erste Mal, dass das Dilemma als ein Verhaltensversuch in einer virtuellen Umgebung positioniert worden ist, "mit den Ansichten, Klängen und Folgen unserer Taten."

Den Forschungsteilnehmern wurde eine 3-D simulierte Version des klassischen Dilemmas über ein am Kopf montiertes Gerät. Sensoren wurden an ihren Fingerspitzen befestigt, um die Emotionen zu überwachen.

In der virtuellen Welt wurde jeder Teilnehmer an einer Eisenbahnweiche stationiert, wo sich die Strecke in zwei Gleise teilte. Auf dem rchten Gleis wanderten fünf Menschen entlang des Gleises in einer steilen Schlucht, die eine Flucht verhindert. Auf der anderen Seite wanderte eine Einzelperson in derselben Situation.

Wenn sich der geschlossene Güterwagon über dem Horizont nähert, können die Teilnehmer nichts tun - den kohlegefüllten Güterwagon seine Strecke entlanggehen und die fünf Wanderer töten lassen - oder einen Schalter (in diesem Fall ein Steuerknüppel) umlegen und ihn zu dem einzelnen Wanderer umleiten.

Von den 147 Teilnehmern legten 133 (oder 90,5 Prozent) den Schalter um, so dass der Güterwagon den (virtuellen) Tod des einen Wanderers herbeiführte.

Vierzehn Teilnehmer ließen zu, dass der Güterwagen die fünf Wanderer tötete, (11 Teilnehmer zogen den Schalter nicht, während drei den Schalter zogen, aber ihn dann in seine Originalposition zurückstellten).

Die Befunde stimmen mit den neuesten Forschungsergebnissen überein, die nicht realitätssimulationsbasiert waren, sagte Navarrete.

Die Forscher entdeckten, dass die Teilnehmer, die den Schalter nicht umlegten, emotional erregter waren. Die Gründe dafür sind unbekannt, obwohl es daran liegen könnte, weil Menschen während hoch ängstlicher Momente erstarren können - ähnlich Soldaten, die dabei versagen, ihre Waffen in einem Kampf abzufeuern, sagte Navarrete.

"Ich denke, dass Menschen eine Abneigung dagegen haben, anderen zu schaden, wenn es bedeutet, dass dadurch irgendetwas "außer Kraft" gesetzt werden muss", sagte Navarrete.

"Durch rationales Denken können wir es manchmal außer Kraft setzen - durch Nachdenken über die Leute retten wir zum Beispiel. Aber auf einige Menschen kann es zutreffen, dass diese Zunahme der Angst so überwältigend ist, dass sie die utilitaristische Wahlmöglichkeit, die Wahlmöglichkeit für das größere Wohl, nicht treffen."
Quelle: Emotion, Nov. 2011
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