Psychologie

Psyche und Gesundheit

Autor: Dipl.Psych. Christian Hilscher, Copyright

Harte Zeiten können härter machen

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass während schlimme Erfahrungen, wie ein körperlicher Angriff, eine Naturkatastrophe oder der Verlust einer geliebten Person, psychologisch schädlich sind, kleine Traumata Menschen helfen können, eine gewisse Resilienz (Elastizität bzw. Widerstandsfähigkeit) zu entwickeln.

"Natürlich hat jeder schon den Aphorismus gehört, 'Was Dich nicht tötet, macht Dich stärker' ", sagt Mark D. Seery von der Universität von Buffalo, dessen Studie zu Unglück und Resilienz in der Dezemberausgabe von Current Directions in Psychological Science erschien.

Aber in der Psychologie, sagt er, werden viele Ideen, die wie gesunder Menschenverstand scheinen, nicht von wissenschaftlichen Beweisen unterstützt werden. In der Tat, viele Forschungsergebnisse der Psychologie, zeigen, dass wenn man Schlimmes erlebt hat, dies schlecht für einen ist, sagt er.

Schlimme Ereignisse wie der Tod eines Kindes oder Elternteils, eine Naturkatastrophe, oder ein physischer Angriff, eine Schändung, oder gewaltsame Trennung von der eigenen Familie, können psychologische Probleme verursachen.

Einige Forschungen zeigen, dass die beste Art, durch das Leben zu gehen, ist wenn man aufpaßt, dass einem nichts passiert. Aber dies ist nicht nur völlig unrealistisch, es ist auch nicht unbedingt gesund, sagt Seery.

In einer Studie fanden Seery und seine Kollegen, dass Menschen, die viele traumatische Lebensereignisse erfuhren im Allgemeinen niedergeschlagener waren, aber sie stellten auch fest, dass Menschen, die keine negativen Lebensereignisse erfahren hatten, ähnliche Probleme hatten. Die Leute mit den besten Ergebnissen waren jene, die einige negative Ereignisse erfahren hatten.

Eine andere Studie fand heraus, dass Personen mit chronischen Rückenschmerzen besser klar kommen, wenn sie ein etwas Unglück erfahren hatten, während Leute, die viel Unglück oder keines erfahren hatten, stärker beeinträchtigt waren.

Eine mögliche Erklärung ist, dass Leute, die schwierige Erfahrungen durchgemacht haben, eine Chance gehabt haben, ihre Fähigkeit zurechtzukommen (coping) entwickelten, sagen die Forscher.

"Die Idee ist, dass negative Lebenserfahrungen Menschen härten können und sie in eine bessere Lage versetzen mit Schwierigkeiten fertig zu werden", sagt Seery. Außerdem können Menschen, die durch schlechte Ereignisse gehen, ihr soziales Netz testen und erfahren, wie sie Hilfe bekommen, wenn sie sie brauchen, fügt er hinzu.

Die Forschung enthüllt einen Silberstreifen am Horizont, sagt Seery.

"Nur weil etwas Schlechtes jemandem passiert ist, heißt nicht, dass sie dazu verdammt sind, von diesem Punkt an beschädigt (psychisch krank) zu sein/werden," sagt er.
Quelle: Current Directions in Psychological Science, Dez. 2011
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