Psychische Krankheiten

Essstörungen

Autor: Dipl.Psych. Christian Hilscher, Copyright

Essstörungen und Cannabinoide im Gehirn

Neuere Forschung sagt, dass ein Gehirndefekt, der zu Defiziten bei Endocannabinoiden führt, zu Anorexie und Bulimie beitragen kann.

Endocannabinoide sind Substanzen, die im Gehirn produziert werden, die Wirkungsweise und Chemie im Gehirn beeinflusst, wie die Wirkungen von Cannabis und Derivaten, einschließlich Marihuana und Haschisch.

Diese Drogen werden oft zur Entspannung verwendet und sind auch dafür bekannt um Appetit zu beeinflussen, d.h. verursachen Hunger oder bzw. Heißhunger.

Dementsprechend sind Defizite im Gehirn logischerweise mit reduziertem Appetit verbunden. In der Studie, von der im Biological Psychiatry berichtet wird, maßen die Forscher den Status des endocannabinoiden Systems indirekt dadurch, dass sie feststellten, ob es eine Zunahme oder Verminderung in der Dichte der endocannabinoiden Rezeptoren gab, genannt CB1 Rezeptor.

Sie benutzten Positronenemissionstomographie oder PET, um mehrere Gehirnregionen zu studieren. Dann verglichen sie diese Dichten bei Frauen mit Anorexie oder Bulimie mit jenen von gesunden Frauen.

Bei der Analyse fanden die Forscher Beweise von Defiziten in den Endocannabinoid-Leveln oder reduzierte Rezeptorfunktionen des CB1 in den Gehirnen von Frauen mit Anorexie. Die CB1R Verfügbarkeit war auch in der so genannten insula Gehirnregion bei sowohl Anorexie- als auch Bulimiepatienten gesteigert.

Die insula "ist eine Region, die die Körperwahrnehmung, gustatorische Informationen, Belohnung und Emotion wahrnimmt, und deren Funktionen, wie bekannt ist, bei diesen Patienten gestört werden", erklärte Dr. Koen Van Laere, Hauptautor der Studie.

"Die Rolle der Endocannabinoide bei der Appetitkontrolle ist eindeutig wichtig. Diese neuer Datenpunkt zu wichtigen Verbindungen zwischen diesem System und Essstörungen", fügte Dr. John Krystal, Herausgeber von Biological Psychiatry, hinzu.

Zusätzliche Forschung wird jetzt gebraucht, um festzustellen, ob die beobachteten Änderungen durch die Krankheit verursacht werden oder ob dies neurochemische Änderungen sind, die als Risikofaktoren dienen, um eine Essstörung zu entwickeln.

Die Forscher hoffen, dass die Befunde zu dem potenziellen neuen Ziel, der Entwicklung von Medikamenten für die Behandlung von Essstörungen führen können, die gegenwärtig bei Tierversuchen untersucht werden.
Quelle: Biological Psychiatry, Nov. 2011
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