Antidepressiva

Antidepressiva-Manie wie Bipolare Störung

Autor: Dipl.Psych. Christian Hilscher, Copyright

Durch Antidepressiva ausgelöste Manie ist der Bipolaren Störung ähnlich

Depressive Patienten mit Antidepressiva induzierten "manischen Schaltern" zeigen ähnliche klinische Merkmale wie Personen mit bipolarer Störung, zeigen Forscher.

Die Befunde sagen, dass Personen, die zuvor mit klinischer Depression diagnostiziert wurden, und die diese manischen Schalter haben, besser klassifiziert und behandelt als tatsächliche bipolare Patienten werden könnten.

Die neue Forschungsstudie erscheint im Journal of Affective Disorders.

Antidepressiva Medikamente können einen "manischen Schalter" (engl.manic switch) bei Patienten mit Depression herbeiführen, aber Episoden durch manische Schalter werden gegenwärtig nicht als bipolare Störung im diagnostischen und statistischen Handbuch für psychische Störungen (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders-IV) betrachtet, das Nachschlagewerk (in den USA hauptsächlich) um psychische Störungen zu klassifizieren und zu diagnostizieren.

Die Bipolare Störung ist in zwei Haupttypen aufgegliedert - Typ I und Typ II. Typ I ist durch die Gegenwart von ausgewachsenen manischen Episoden charakterisiert, während Typ 2 durch weniger extrem ausgeprägte Episoden charakterisiert ist, Hypomanie genannt. Personen mit einer der beiden Typen bipolarer Störung erfahren auch mindestens eine Episode von klinischer Depression.

In dieser Studie verglichen die Forscher die klinischen Merkmale von vier Gruppen von Menschen. Eine Gruppe bestand aus 58 Patienten mit bipolarer Störung I, während eine zweite aus 18 Patienten mit Bipolare Störung II bestand. Beide bipolaren Gruppen erfuhren auch nur ihre erste Episode einer Depression. Ein dritte Gruppe mit 61 Patienten hatte eine Geschichte von medikamenten-induzierter Manie ("manischer Schalter"). Die vierte Gruppe mit 80 Patienten hatte nur eine monopolare Depression mit keiner Geschichte von bipolarer Störung oder manischem Schalter.

Die Patienten mit durch Antidepressiva ausgelöster Manie hatten eine ähnliche Anzahl von depressiven Episoden verglichen mit den bipolar I und II Patienten (3,6 vs 3,6 bzw. 37,2), aber eine bedeutend längere Dauer der Krankheit (17 Wochen vs 11,4 bzw. 10,2 Wochen).

Außerdem hatten die Patienten mit Antidepressiva-Induzierter-Manie die höchste Häufigkeit depressiver Krankheit, eine größere Präsenz von melancholischen Merkmalen, und hatten mit größerer Wahrscheinlichkeit atypische Merkmale der Krankheit, einschließlich saisonal-affektive Störung, als jene mit einer bipolaren Störung.

Die Studie "unterstützt den Vorschlag, dass antidepressiva-induziertes "Umschalten" eine Beschleunigung des natürlichen Verlaufs einer bipolaren Störung darstellen könnte", sagten Zeliha Tunca, M.D. von der Dokuz Eylul University School of Medicine in der Türkei, und Kollegen.

Die Forscher schließen: "Die Befunde dieser Studie bestätigen, dass antidepressiva-induzierte Manie ein klinisches Phänomen ist, das innerhalb des bipolaren Spektrums gehört, statt zu einer zufälligen Behandlungskomplikation, und dass es unter 'bipolare Störungen' in zukünftigen Klassifizierungssystemen gestellt werden sollte."
Quelle: Journal of Affective Disorders, Okt. 2011
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