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Gestalttherapie mit KrebspatientenAuszug aus Gestalttherapie mit Krebspatienten. Eine Praxishilfe zur Traumabewältigung von Michaela Pröpper.Dieses Buch beschäftigt sich mit den Folgen einer Erschütterung im Leben. Wir versuchen unser Leben zu planen, zu lenken und nach unseren Möglichkeiten zu gestalten und gewinnen hieraus Stabiliät und Sicherheit und ein Gefühl von Eigenkompetenz. Diese Überzeugung, das Leben mitbestimmen und in gewisser Weise kontrollieren zu können, wird erschüttert durch Ereignisse, die zunächst nicht bewältigbar und unerklärlich sind. Die Konfrontation mit Gewalt, Naturkatastrophen, Unfälle und plötzlichen lebensbedrohlichen Erkrankungen überfordern unser physisches und psychisches System. Sie stellen jeden von uns vor eine Prüfung. Die Überzeugung, unbeschadet durch das Leben gehen zu können oder Fähigkeiten zu besitzen, mit denen wir auch mit widrigen Umständen fertig werden, gerät ins Wanken. Die Bewältigung dieser existenziellen Herausforderung zeigt, ob jemand mit seinen Überzeugungen und seinem Bild von sich und der Welt fast zerbricht oder ob er sich dem Leben wieder zuwenden kann, als verwundete Person, aber mit neuen Möglichkeiten und auf einer neuen Ebene.Neben der Heftigkeit des Ereignisses sind es die Fähigkeiten des einzelnen Menschen, in sich wieder eine Balance zu finden, die ihn aus der Erschütterung wieder herausführt. In jedem von uns gibt es eine Art inneres Wissen, das weit über das Wissen des bewussten Ichs hinausgeht. Die Aktivierung dieser inneren Kräfte und damit die Bewältigung der posttraumatischen Folgen sind in einem höheren Ausmaß als bisher angenommen von den Lebensbedingungen nach dem Trauma abhängig. Eine einfühlsame, unterstützende Umgebung aus Familie, Freunden, Helfern und Therapeuten gibt der Seele einen Raum, mit dem inneren Aufruhr fertig zu werden. Von dem Umgang mit einer Erschütterung durch eine lebensbedrohliche Erkrankung, wie sie eine Krebserkrankung darstellt, handelt dieses Buch. Als traumatische Erlebnisse werden in der Regel Ereignisse bezeichnet, die außerhalb der normalen Erlebenswelt der meisten Menschen liegen. Dazu gehören Unfälle und Gewalterfahrungen, sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Männer, aber auch Entführung, Naturkatastrophen oder Kriegsteilnahme. Diese Erfahrungen sind so ungewöhnlich und belastend, dass die meisten Menschen damit überfordert sind, Erlebnisse dieser Art zu verarbeiten. Nach einer traumatischen Erfahrung ist es ganz natürlich, dass körperliche und psychische Funktionen verändert und beeinträchtigt sind. Fast alle Menschen, die ein traumatisches Ereignis erlebt haben, zeigen eine starke akute Belastungsreaktion und ein Teil von ihnen entwickelt eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Das Bild der posttraumatischen Bewältigung zeigt viele verschiedene Schattierungen. Das heißt: starke psychische und auch körperliche Reaktionen auf ein Trauma sind die "normale", da häufig auftretende Reaktion auf außergewöhnliche Erlebnisse. Dabei kann es in seltenen Fällen auch vorkommen, dass die Beschwerden dem belastenden Ereignis erst nach Wochen oder Monaten folgen. In der klinischen Forschung und psychotherapeutischen Behandlung bisher weitestgehend unbeachtet blieben allerdings die traumatischen Folgen aufgrund einer lebensbedrohlichen Erkrankung. Erst in der letzten Version des diagnostischen Manuals DSM IV wurden lebensbedrohliche Erkrankungen als traumatische Stressoren aufgenommen. In die Behandlungskonzepte von körperlichen Erkrankungen und Behinderungen fließen allmählich traumatheoretische Erkenntnisse ein. Das Wissen um die traumatischen Folgen nach einer Krebserkrankung und die Integration von Traumatheorien in die Behandlung der psychischen Folgen dieser Erschütterung steckt noch in den Kinderschuhen. Die Diagnose "Krebs" zwingt die Betroffenen in eine völlig neue Lebenssituation und -perspektive. Sie erleben sich herauskatapultiert aus der Welt der "Gesunden". Die damit einhergehenden Erfahrungen vom Zeitpunkt der Diagnose über die medizische Behandlung, die existenzielle Bedrohung des Lebens bis hin zu den Reaktionen des sozialen Umfeldes können durchaus als hochgradig traumatisch bezeichnet werden. Als traumatisch kann vor allem der Verlust des Vertrauens in den eigenen Körper und seine Fähigkeiten, mit Belastungen fertig zu werden, betrachtet werden. Der Feind sitzt im eigenen Körper. Distanz zu dem traumatischen Stressor zu gewinnen, heißt, damit sich zeitweise vor dem eigenen verletzten Körper zu schützen. Diese Distanzierungstechnik - eine der klassischen traumatherapeutischen Techniken - als Halt gebende Fähigkeit zunächst zu unterstützen, entlastet in einer scheinbar aussichtslosen Situation. Entlastung schafft auch die Einbettung in eine achtungsvolle und unterstützende Atmosphäre und therapeutische Begegnung. Das Begreifen einer Krebserkrankung als Trauma mit seinen unterschiedlichsten posttraumatischen Bewältigungen bestimmt die Art des therapeutischen Herangehens. Welchen Beitrag die Gestalttherapie in Verbindung mit traumatherapeutischen Techniken in der psychotherapeutischen Arbeit mit krebskranken Menschen aus dem Blickwinkel ¬eines traumatischen Erlebens leisten kann, wird in diesem Buch gezeigt. Die Motivation zu diesem Buch entstand während meiner Tätigkeit als Psychologin und Gestalttherapeutin in einer psychosomatischen Beratungsstelle, die vor allem mit krebskranken Menschen und deren Angehörigen arbeitet. Mein persönlicher Erfahrungshintergrund führte mich an diese Stelle und ich begann von meinen Klientinnen und Klienten zu lernen und immer wieder aufs Neue genau hinzusehen. Die verschiedenen Gesichter der Traumareaktionen waren nicht zu übersehen. So entstand als ein klinisches Forschungsprojekt in meinem Kopf, die Frage der traumatischen Bedingungen bei einer Krebserkrankung. Die Erfahrungen mit meinen Klientinnen und Klienten verbanden sich mit klinischem Wissen, der Traumatheorie und dem humanistischen Therapieverständnis der Gestalttherapie und bilden gemeinsam ein traumatherapeutisches Konzept als Behandlungsansatz bei krebskranken Menschen. So gibt das 1. Kapitel einen Überblick über traumatheoretische Konzepte und die Einbettung einer Krebserkrankung in dieses therapeutische Verständnis. Im 2. Kapitel wird anhand der beobachteten Phänomene das Erleben der betroffenen Menschen direkt deutlich und erfahrbar für den Leser. Diese phänomenologische Sichtweise und Haltung ist Teil meines humanistischen Menschenbildes und Therapieverständnisses. Wieviel wir auch wissen mögen, aufgrund von Ausbildung, Theorie und Erfahrungen aus der Praxis, wir wissen nicht wirklich, wie jeder einzelne Mensch auf eine Belastung reagiert. Es genügt nicht, zu wissen. Entscheidend ist es, Klientinnen und Klienten offen und wachsam und mit Wärme und Achtung zu begegnen. Gleichzeitig ist psychotherapeutische Arbeit ohne Forschung nicht möglich. Und der Blick auf den einzelnen Menschen und seine Reaktionen zeigt, dass eine Krebserkrankung ihn mit all seinen bereits bestehenden Vorerfahrungen und Prägungen trifft. Das Begreifen dieser prätraumatischen Persönlichkeit erfordert eine Diagnostik, die sich am Erleben des krebskranken Menschen orientiert. Diese Erfassung der psychischen Struktur in der Diagnostik ist Inhalt des 3. Kapitels. Das 4. Kapitel bietet einen Überblick über das humanistische Verständnis und die Theorie der Gestalttherapie. Im 5. Kapitel wird ein gestalttherapeutisches Behandlungsmodell in Verbindung mit traumatherapeutischen Elementen für die psychotherapeutische Behandlung krebskranker Menschen vorgestellt. Copyright © 2007. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten. Eine Praxishilfe zur Traumabewältigung von Michaela Pröpper. Mehr Info? - bitte auf das Buch klicken. Über die Autorin: Michaela Pröpper, Diplom-Psychologin und Gestalttherapeutin. Ausbildung in humanistischer und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie. Fortbildung u. a. in Körperpsychotherapie, Traumatherapie, Psychoonkologie. Fortlaufende Teilnahme an spirituellen Seminaren der Ridhwan-Schule von A. H. Almaas. In ihre therapeutische Arbeit integriert sie kreative und körperorientierte Ansätze. Langjährige Mitarbeit in der Psychosomatischen Beratungsstelle e. V. in München. Als frei praktizierende Psychotherapeutin in München tätig. © 1998-2001 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften Mehr Buchempfehlungen Psychologische online Beratung Startseite |